Vortrag: „Der Mensch liebt es nicht gehasst zu werden.“

14.05.2018 19:00 – 14.05.2018 20:30

Am Montag, dem 14. Mai, spricht um 19:00 Uhr Christoph Gann in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge über Fritz Bernstein – Staatsgründer und früher Antisemitismusforscher aus Thüringen.

14.05.2018 20:30

Vortrag: „Der Mensch liebt es nicht gehasst zu werden.“

Genre Veranstaltung
Veranstalter Landeszentrale für politische Bildung
Veranstaltungsort Begegnungsstätte Kleine Synagoge, An der Stadtmünze 5, 99084 Erfurt

Fritz Bernstein, 1890 in Meiningen geboren, gehörte zu den Staatsgründern von Israel. Er wuchs in Meiningen auf und lebte vor seiner Auswanderung nach Holland in Eisenach. In Holland war er von 1930 bis 1934 Präsident der Zionistischen Organisation. 1936 emigrierte er nach Palästina. In den Jahren 1948–1949 und 1952–1955 war er Minister für Handel und Industrie. In den Jahren 1952 und 1963 kandidierte er für das Amt des Staatspräsidenten.

Im Mittelpunkt des Vortrags steht seine Forschung über den „Antisemitismus als Gruppenerscheinung“. Sein gleichlautendes Buch erschien erstmals 1926 im Jüdischen Verlag in Berlin (gedruckt in Rudolstadt). Bernstein bewertete den Antisemitismus als eine besondere Form der Gruppenfeindschaft. Es sei gleichgültig, wie die Juden sind, was sie tun und lassen. Persönliche Qualitäten oder Leistungen könnten die Feindschaft nicht besiegen. Überall herrsche eine Feindschaft zwischen Menschengruppen, aber für die Juden nehme sie einen so gefährlichen, vernichtenden Charakter an, weil sie als zerstreute, schwache und wehrlose ethnische Minoritätsgruppen leben und kein eigenes Land haben. Damit zeigte er auch, weshalb
für ihn die Gründung eines eigenen jüdischen Staates von größter Wichtigkeit war. Im Vortrag wird auch auf seine Sicht zur Frage der Araber in Palästina eingegangen.

Die Nationalsozialisten setzten Bernsteins Buch 1933 auf die Liste für die Bücherverbrennungen. Im Jahr 1951 erschien in New York eine englische Übersetzung. Auch in Deutschland wurde es neu aufgelegt. Albert Einstein lobte das Buch als „klassisches Meisterwerk“. Fritz Bernstein starb 1971.

Christoph Gann ist Verfasser des bisher umfassendsten Aufsatzes zu Bernsteins Leben in Deutschland sowie seiner Buchveröffentlichen und der Autor von „Raoul Wallenberg. So viele Menschen retten
wie möglich“ (C.H. Beck Verlag, dtv) und von „12 Jahre, Jude, 10.5.39 abgemeldet nach England. Das Schicksal Eva Mosbachers und ihrer Eltern“ (Landeszentrale für politische Bildung Thüringen). Er hat mehrere (Wander-)Ausstellungen erstellt (zu Raoul Wallenberg, zur Rettungsaktion der Kindertransporte, zum in der NS-Zeit verfolgten Komponisten Günter Raphael und zur Geschichte der Meininger Juden).
Gann ist Richter am Landgericht in Meiningen, Präses der Kreissynode des evangelischen Kirchenkreises Meiningen und Vorsitzender der B.M. Strupp-Stiftung.

Eintritt frei | ohne Voranmeldung