Miteinander oder nebeneinander: Elemente jüdischer Siedlungssegregation im Mittelalter

02.04.2019 19:30 – 02.04.2019 21:00

Ein Vortrag von Hans-Jörg Gilomen, Historisches Seminar, Universität Zürich

Ein gemauerter Torbogen, dahinter eine schmale Gasse.
Einer der vier Torbogen zur judería von Sagunto Foto: ©  Hans-Jörg Gilomen
02.04.2019 21:00

Miteinander oder nebeneinander: Elemente jüdischer Siedlungssegregation im Mittelalter

Genre Veranstaltung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Unesco-Beauftragte in Kooperation mit den Geschichtsmuseen
Veranstaltungsort Alte Synagoge, Waagegasse 8, 99084 Erfurt

Schon im Mittelalter haben Juden sich in den Städten oft abgegrenzt von den Christen angesiedelt. Obwohl der Begriff Ghetto erst spät vom 1515 neu eingerichteten jüdischen Quartier in Venedig bei der neuen Gießerei (getto bzw. venezianisch ghetto nuovo) abgeleitet wurde, ist recht geläufig schon von einer Ghettoisierung im Sinne einer erzwungenen Segregation im Spätmittelalter gesprochen worden. Der Vortrag legt das Hauptgewicht auf die freiwillige Segregation, die Motivationen für das freiwillige Zusammenwohnen und Zusammenleben der Juden, das in der Literatur weniger Beachtung gefunden hat. Zugleich werden aber bereits im Mittelalter belegte Zwänge zur Segregationen in ihren Folgen für die Betroffenen genauer analysiert. Es wird versucht, eine europäisch vergleichende Perspektive zu verfolgen, um die Vielfältigkeit der Erscheinungsformen zu verdeutlichen.

Zur Person

Hans-Jörg Gilomen war von 1988 bis 2010 Ordinarius für Allgemeine und Schweizer Geschichte des Mittelalters sowie für mittelalterliche Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Zürich. Von ihm liegen zahlreiche Publikationen zu jüdisch-christlichen Beziehungen im Mittelalter vor, so zuletzt 2018 ein Aufsatz zu ökonomischen Glaubensfragen im Spätmittelalter.

Weitere Termine 2019

7. Mai
Lukas Clemens, Arye Maimon-Institut für die Geschichte der Juden, Universität Trier: Kathedralstädte und Judengemeinden im heutigen Rheinland-Pfalz – Zur Topografie jüdischer Siedlungen im Mittelalter

4. Juni
Milan Žonca, Institut für Orientalistik, Universität Prag: Jom Tov Lippmann Mühlhausen – ein Rabbiner im Erfurt des 14. Jahrhunderts

3. September
Sophia Schmitt, Ludwig-Maximilians-Universität München: Ankläger und Verteidiger in spätmittelalterlichen Ritualmordbeschuldigungen

1. Oktober
Eveline Brugger, Institut für jüdische Geschichte Österreichs: „…und der wertlose Brief soll gültig sein.“ Konfliktfelder und Konfliktvermeidung im jüdisch-christlichen Geschäftsverkehr des Spätmittelalters

5. November
Rosita Peterseim, Erfurt: „Aus der Dunkelheit ans Licht“ – Die Wiederentdeckung der Alten Synagoge in Erfurt

3. Dezember
Vera Henkelmann, Eschweiler: „Es werde Licht!“ – Künstliches Licht im jüdischen und christlichen Sakralraum