Leben einer Holocaust-Überlebenden im Mittelpunkt von zwei Veranstaltungen

06.10.2020 15:33

Am 13. Oktober lädt der Erinnerungsort Topf & Söhne zu gleich zwei Veranstaltungen ein, die vom Leben der jüdischen Holocaust-Überlebenden Hannelore Wolff erzählen, die in Thüringen aufgewachsen ist.

Die öffentliche Führung um 18 Uhr thematisiert in der Ausstellung „Jüdische Nachbarn in Thüringen“ die Massendeportationen jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus Thüringen. Eine Fotoserie aus Eisenach belegt, dass die Verschleppung der Menschen in aller Öffentlichkeit geschah. Exemplarisch für die Deportationen in die Todeslager berichtet die Ausstellung vom Leben und der Persönlichkeit dieser Menschen, von ihren Erfahrungen und ihrem Handeln. Die Biografie von Hannelore Wolff und ihrer Familie wird bei der Führung im Mittelpunkt stehen.

Anschließend, um 19 Uhr, liest der Übersetzer Adrian Mills aus dem Buch „Ich pflanze einen Flieder für dich. Auf Schindlers Liste überlebt“ von Laura Hillmann. Darin erzählt sie ihre Lebensgeschichte als Holocaust-Überlebende. Als Hannelore Wolff 1923 in Ostfriesland geboren, überstand sie die Schrecken von insgesamt acht Arbeits- und Konzentrationslagern. Sie und ihr späterer Mann Bernhard (Dick) Hillman bekamen einen Platz auf der weltbekannten „Schindlers Liste“ und konnten sich so retten. Das Ehepaar lebte nach 1945 in Kalifornien, wo Laura Hillmann ihren deutschen Vornamen ablegte. Sie starb im Juni 2020.

Der Übersetzer Adrian Mills ist in England geboren und aufgewachsen. Er war viele Jahre Englischlehrer im ostfriesischen Aurich, dem Geburtsort von Laura Hillmann. Als passionierter Solist im Kirchenchor begleitet Adrian Mills die Lesung mit jiddischen Liedern.

In Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung per E-Mail unter Angabe der Telefonnummer oder der Anschrift ist erforderlich.

Hintergrund

Im Frühjahr 1942 war die gebürtige Ostfriesin Hannelore Wolff Schülerin in Berlin, als sie die furchtbare Nachricht erhielt, dass ihre in Weimar lebende Mutter und ihre jüngeren Brüder durch die Gestapo deportiert werden sollen. Hannelore entschied, sich zur Deportation zu melden, um ihre Familie nicht alleine zu lassen. In den nächsten Jahren überstand sie die Schrecken von insgesamt acht Arbeits- und Konzentrationslagern. Im Arbeitslager Budzyn verliebte sie sich in Bernhard (Dick) Hillman, einen polnisch-jüdischen Kriegsgefangenen. Beide schöpften Hoffnung, als sie einen Platz auf Schindlers Liste ergatterten.

Hannelore Wolff ist die einzige Überlebende von 513 Menschen, die am frühen Morgen des 10. Mai 1942 aus Thüringen deportiert wurden. Nach ihrer Heirat im Oktober 1945 emigrierte sie mit ihrem Ehemann in die USA. Sie legte ihren deutschen Vornamen ab und lebte als Laura Hillman in Kalifornien.

In ihrem Buch „I will plant you a lilac tree: a memoir of a Schindler’s list survivor“ veröffentlichte sie 2005 ihre Erinnerungen in englischer Sprache. Nach langer Suche fand sie 2019 in dem Weimarer Eckhaus Verlag einen Herausgeber, der das Buch in deutscher Übersetzung veröffentlichte. Damit erfüllte sich ihr letzter großer Wunsch. Laura Hillman starb am 4. Juni 2020.