Das jüdisch-mittelalterliche Erbe in Erfurt

  • Die Alte Synagoge

    Mit einem Baubeginn um 1094 ist die Alte Synagoge eine der ältesten, größten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Synagogen Europas. Sie spiegelt mit ihrer Baugeschichte die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Erfurt bis zum Jahr 1349 wider.

    Foto: © Papenfuss, Atelier für Gestaltung
  • Die Mikwe

    In Europa haben sich nur wenige jüdische Ritualbäder aus dem Mittelalter erhalten. Unter den Monumentalmikwen dieser Zeit vertritt die Erfurter Mikwe einen bislang einzigartigen Typus.

    Foto: © Peter Seidel
  • Das Steinerne Haus

    Das Mitte des 13. Jahrhunderts errichtete Profangebäude kann jüdischen Besitzern zugeordnet werden und ist europaweit einer der wenigen Bauten dieser Zeit mit original erhaltener Ausmalung eines Innenraumes.

    Foto: © TLDA, W. Streitberger
  • Die Grabsteine

    Bislang wurden etwa 70 Grabsteine und Fragmente vom ehemaligen jüdischen Friedhof wieder entdeckt. Sie stammen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert und damit aus einer Zeit, aus der sich nur äußerst selten jüdische Grabsteine erhalten haben.

    Foto: © Papenfuss, Atelier für Gestaltung
  • Der Erfurter Schatz

    Mit einem Gesamtgewicht von fast 30 kg ist der Schatzfund aus der Michaelisstraße in Umfang und Zusammensetzung weltweit einmalig. Bedeutendstes Objekt ist ein jüdischer Hochzeitsring aus dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts.

    Foto: © TLDA
  • Die Handschriften

    Die 15 hebräischen Manuskripte sind zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert entstanden und stammen aus dem Besitz der mittelalterlichen Erfurter Gemeinde.

    Foto: © Papenfuss, Atelier für Gestaltung
  • Der Erfurter Judeneid

    Die älteste erhaltene schriftliche Eidesformel für Juden in deutscher Sprache ist gleichzeitig das früheste schriftliche Zeugnis zur Erfurter Gemeinde.

    Foto: © Papenfuss, Atelier für Gestaltung
  • Die Bronzeampel

    Seit dem Mittelalter sind bronzene Hängelampen in jüdischem Kontext nachzuweisen. Erhalten haben sich solche Ampeln nur sehr selten. Die um 1160 entstandene Erfurter Bronzeampel ist das älteste bislang bekannte Exemplar.

    Foto: © Papenfuss, Atelier für Gestaltung

In der in großen Teilen intakten mittelalterlichen Altstadt von Erfurt haben sich einmalige bauliche Zeugnisse der bedeutenden jüdischen Gemeinde aus der Zeit zwischen dem ausgehenden 11. und der Mitte des 14. Jahrhunderts erhalten. Ergänzt und aufgewertet werden die Bauzeugnisse durch eine weltweit einzigartige Fülle von Sachzeugnissen, die gemeinsam Aufschluss über das jüdische Gemeinde- und Alltagsleben sowie die Koexistenz von Juden und Christen in mittelalterlichen Städten bieten – in einer Komplexität, die mit keiner bekannten Stätte vergleichbar ist.

Aus diesem Grund hat sich die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt entschieden, für ihr jüdisches Erbe des Mittelalters den Titel „Unesco-Welterbe“ anzustreben.
2014 wurde die Stätte „Alte Synagoge und Mikwe in Erfurt – Zeugnisse von Alltag, Religion und Stadtgeschichte zwischen Kontinuität und Wandel“ auf die deutsche Vorschlagsliste für künftige Welterbestätten aufgenommen. Anfang 2021 wurde der Welterbeantrag inklusive Managementplan mit dem Titel „Jüdisch-Mittelalterliches Erbe in Erfurt“ über Thüringer Staatskanzlei, Kultusministerkonferenz und Auswärtiges Amt bei der Unesco eingereicht. Nun erfolgt die Prüfung durch ICOMOS, den Internationalen Rat für Denkmalpflege, der den schriftlichen Antrag prüft, aber auch vor Ort die Situation evaluiert und anschließend sein fachliches Votum abgibt – was wiederum die Grundlage der Entscheidung der Unesco-Kommission im Sommer 2022 sein wird.

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