Inklusive Bildung und kritische Erinnerungsarbeit zu den Eugenik-Verbrechen im Nationalsozialismus – Projekt- und Buchvorstellung im Erinnerungsort Topf & Söhne

20.03.2026 13:00

Die Pflichten aus der UN-Behindertenrechtskonvention, die am 26. März 2009 in Kraft trat, bleiben auch 17 Jahre später aktuell. Danach sind die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu achten, zu gewährleisten und zu schützen.

Neue inklusive Audiospur erweitert die Ausstellung

Mit seiner Aufklärung über die nationalsozialistischen Verbrechen an Menschen mit Behinderungen leistet der Erinnerungsort Topf & Söhne dafür einen Beitrag. So informiert er mit seiner Dauer- und Wanderausstellung „Wohin bringt ihr uns?“ über den als „Euthanasie“ getarnten Massenmord an 300.000 Menschen mit geistigen, psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen auf. Neu ist nun die inklusive Audiospur „Hört, was uns bewegt!“, die von Menschen mit und ohne Behinderung erarbeitet wurde, die seit Jahren im Tandem durch die Ausstellung führen. Sie haben damit einen Raum geschaffen, in dem sie ihre persönlichen Zugänge und Reflexionen mit den Besuchenden der Ausstellung teilen. Es geht um Fragen wie: Was löst die Ausstellung in uns aus? Welche Bilder und Biografien berühren uns besonders? Welche Fragen begleiten uns in unserem Alltag weiter und welche Wünsche haben wir an die Besuchenden? Das Projekt entstand als Kooperation von „Barrierefrei erinnern – Das Zentrum für Thüringen“ der Lebenshilfe Thüringen mit dem Saale-Betreuungswerk der Lebenshilfe Jena gGmbH und dem Erinnerungsort Topf & Söhne und wird am 26. März um 17 Uhr von Menschen mit und ohne Behinderung im Erinnerungsort Topf & Söhne präsentiert.

Im Anschluss stellt Dr. Karl Porges um 19 Uhr den von ihm herausgegebenen Sammelband „NS-Eugenik-Verbrechen und ihre Folgen“ vor, der historische Analysen über den Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen im Nationalsozialismus mit Beiträgen zu (außer-)schulischen sowie künstlerischen Arbeiten verbindet. Nach dem Vortrag versammelt ein Podium Autorinnen und Autoren aus Forschung, inklusiver Bildung und kritischer Erinnerungsarbeit. Das Buch war Teil eines großen Kooperationsprojektes, in dem in Jena und Weimar zwei Jahre wissenschaftlich, künstlerisch, journalistisch und pädagogisch gearbeitet wurde, um exemplarisch Lebens- und Leidenswege von Opfern der Zwangssterilisation und des „Euthanasie“-Mordprogramms zu erinnern und Täterorte sichtbar zu machen. Dabei entstanden u.a. die Graphic Novel und das Theaterstück „Ausradiert“ des stellwerks junges Theater Weimar, das dafür gerade mit dem Theaterpreis des Bundes geehrt wurde und vor einem Jahr auch im Erinnerungsort gezeigt wurde.  Thüringen als Standort für das Kooperationsprojekt war vom Bundesfinanzministerium und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft als Förderer bewusst gewählt worden, weil hier 20 Prozent der Menschen der Aussage „Es gibt wertvolles und unwertes Leben“ zustimmen, eine Unterscheidung, die im Nationalsozialismus zu Ausgrenzung, Gewalt und Vernichtung führte.