Interdisziplinärer Workshop: „Vom mittelalterlichen Kairo bis ins neuzeitliche Veitshöchheim. Jüdisch-religiöse Praktiken im Spiegel von Genisaquellen“

27.03.2019 09:00 – 27.03.2019 17:00

Workshop des Max-Weber-Kollegs Erfurt, Research Centre „Dynamik ritueller Praktiken im Judentum in pluralistischen Kontexten von der Antike bis zur Gegenwart“ in Kooperation dem Europäischen Zentrum für Jüdische Musik, der Professur für Judaistik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Vereinigung für Jüdische Studien e. V.

Ein altes zerknittertes Pergament mit hebräischen Buchstaben
Foto: © Rebecca Sebbagh
27.03.2019 17:00

Interdisziplinärer Workshop: „Vom mittelalterlichen Kairo bis ins neuzeitliche Veitshöchheim. Jüdisch-religiöse Praktiken im Spiegel von Genisaquellen“

Genre Veranstaltung
Veranstalter Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt
Veranstaltungsort Begegnungsstätte Kleine Synagoge Erfurt, An der Stadtmünze 5, 99084 Erfurt

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Der hebräische Begriff Genisa (Plural: Genisot) beschreibt einen Ablageort für nicht mehr nutzbare jüdisch-religiöse Literatur und Kultgegenstände. Die Einrichtung einer Genisa war traditionelle Praxis vieler jüdischer Gemeinden. Der international wohl bekannteste Fund seiner Art stellt die Kairoer Genisa dar: Ende des 19. Jahrhunderts wurden bei Renovierungsarbeiten der Ben-Esra-Synagoge in der ägyptischen Hauptstadt nahezu 200.000 Schriftfragmente entdeckt, die auf einen Zeitraum vom Jahr 800 bis ins 19. Jahrhundert datieren. Im deutschsprachigen Raum wurden insbesondere in Süd- und Mitteldeutschland in den vergangenen Dekaden Genisot in ehemaligen Synagogen gehoben. Eine Vielzahl dieser Funde, v. a. aus Franken, wird heute im „Genisaprojekt Veitshöchheim“ bearbeitet. Im Vergleich zum Kairoer Bestand ist der Umfang der deutschen Genisot überschaubar. Sie wurden zumeist im 17./18. Jahrhundert angelegt, wobei sie auch älteres Material enthalten können.

Genisot können getrost als Archiv der rituellen Spuren jüdischer Gemeinden bezeichnet werden. Diese Zeugnisse individueller und kollektiv-gemeindlicher jüdischer Religionsausübung reichen von Schriftquellen wie handschriftlichen oder gedruckten Gebetbüchern bzw. deren Fragmenten oder kleinen Notizzetteln zur Verwendung im Gebet bis hin zu rituellen Objekten wie Torah- und Esterrollen, Tallitot (Gebetsmäntel) und Tefillin (Gebetsriemen). Der Wert der Genisot als Quelle aus originär jüdischer Hand kann sowohl für die Untersuchung der Frage nach Kontinuität und Wandel in jüdisch-rituellen Praktiken, die im Mittelpunkt des anvisierten Workshops steht, als auch für die Erforschung weiterer Teilbereiche der jüdischen Kulturgeschichte gar nicht hoch genug geschätzt werden.

Es referieren: Martha Stellmacher (Hannover/ Prag) zu Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der jüdischen Liturgie, Dr. Katrin Keßler (Braunschweig) zu Jüdischem Ritus im Synagogenraum, Rebecca Sebbagh (Erfurt) zur Entwicklung der jüdischen Liturgie und die Kairoer Genisa und Dr. Recha Allgaier-Honal zu Kontinuität und Wandel bei Sukkot.

Der Workshop wird veranstaltet in Kooperation des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik mit dem Research Centre „Dynamik ritueller Praktiken im Judentum in pluralistischen Kontexten von der Antike bis zur Gegenwart“ am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt, der Professur für Judaistik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Vereinigung für Jüdische Studien e. V. Er wird gefördert von der Fritz-Thyssen-Stiftung.

Die Veranstaltung ist öffentlich und findet von 9 bis 16 Uhr in der Kleinen Synagoge statt.

Um Voranmeldung wird gebeten an Rebecca Sebbagh: rebecca.sebbagh@uni-erfurt.de