Geschlechtertrennung und Frauensynagogen: Religiöse Lebenswelten im Mittelalter

01.04.2026 16:57

Am Dienstag, dem 7. April 2026, um 18:30 Uhr lädt das Netzwerk Jüdisches Leben Erfurt zum nächsten „Arain! Der Erfurter Synagogenabend“ in die Alte Synagoge ein.

Vortrag mit Friederike Schöpf in der Alten Synagoge

Foto: Frauensynagoge Worms Foto: © Friederike Schöpf

In ihrem Vortrag beleuchtet Dr. Friederike Schöpf, Institut für Jüdische Studien an der Universität Münster, die religiöse Lebenswelt jüdischer Frauen im Mittelalter, historische Geschlechtertrennung und den Lerneffekt für heute. Ihr Thema lautet: „Mehr als Abgrenzung: Frauensynagogen und weibliche Frömmigkeit im Mittelalter“. Der Einlass erfolgt ab 18:00 Uhr. Der Eintritt ist wie immer frei.

Die beliebte Arain! Veranstaltungsreihe bietet einmal monatlich öffentliche (Gast-)Vorträge rund um jüdische Geschichte, das Jüdisch-Mittelalterliche UNESCO-Welterbe Erfurt, andere Welterbestätten und das globale Welterbe-Programm – prall gefüllt mit wissenswerten Hintergrundinformationen. Alle Themen und Termine sowie der aktuelle Programmflyer sind unter www.juedisches-leben.erfurt.de zu finden.

Foto: Außenansicht der Wormser Synagoge Foto: © Friederike Schöpf

Details zum Vortrag

Entgegen der weit verbreiteten Annahme entstanden separate Frauenbereiche in Synagogen erst im Mittelalter. In der Antike lässt sich architektonisch keine feste, „in Stein gemeißelte“ Geschlechtertrennung nachweisen. Die ersten Frauensynagogen tauchen im 13. Jahrhundert im Rheinland auf. Bis heute erhaltene Beispiele aus den SchUM-Städten Worms und Speyer und zeugen von der Prosperität der jüdischen Gemeinden in diesen Orten zu jener Zeit. Von dort aus verbreitete sich die Idee eigenständiger Frauenräume auch in den südlichen und östlichen Teilen des deutschsprachigen Raums und erreichte ab dem späten 13. Jahrhundert schließlich Österreich und Teile Osteuropas.

Dennoch war diese Form der Abtrennung im Mittelalter keineswegs selbstverständlich. So ist etwa eine Frauensynagoge in der ersten Synagoge von Erfurt umstritten, und auch andere wohlhabende Zentren wie Regensburg scheinen auf einen getrennten Gebetsbereich verzichtet zu haben.

Wie also kam es zu dieser Entwicklung, die über viele Jahrhunderte hinweg nicht erforderlich schien? Welche äußeren Einflüsse und inneren Dynamiken führten dazu, dass sich diese Praxis allmählich – und erst nach und nach – durchsetzte? Was verraten uns die erhaltenen Bauten und schriftlichen Quellen über das religiöse Leben jüdischer Frauen? Und was können wir aus dem Fehlen solcher Räume – wie etwa in Erfurt – lernen?

Der Vortrag beleuchtet anhand archäologischer Funde und historischer Quellen die Entstehung und Entwicklung der Frauensynagogen. Gleichzeitig soll gezeigt werden, wie uns Architektur und materielle Kultur Einblicke in die Lebenswelt jüdischer Frauen des Mittelalters eröffnen können – eine Lebenswelt die genau wie die Synagogen vielfältig sein konnte.

Foto: Friederike Schöpf Foto: © Friederike Schöpf

Zur Person

Dr. Friederike Schöpf studierte Vorderasiatische Archäologie, Assyriologie und Judaistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. In ihrer Dissertation verband sie die verschiedenen Disziplinen miteinander und erforschte Kalksteingefäße in Israel und Jordanien im Zusammenhang mit jüdischen Reinheitspraktiken.

Auch in ihrem aktuellen Habilitationsprojekt führt sie diesen interdisziplinären Ansatz fort. Ihre Forschung widmet sich der Entwicklung von Frauensynagogen im Mittelalter, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Mittel- und Nordeuropa. Dabei untersucht sie vor allem frühe Beispiele aus dem 13. Jahrhundert, die sich durch ihren anspruchsvollen architektonischen Stil auszeichnen.

Derzeit ist Schöpf als Postdoktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Jüdische Studien Universität Münster tätig. Vor dieser Tätigkeit arbeitete sie als Archäologin in Jerusalem und war Stipendiatin der Ernst-Ludwig-Ehrlich Stiftung.