Sensationelle Entdeckungen an einem der ältesten jüdischen Gebäude Europas
„Arain!“-Vortrag am 9 Juni 2026
Carla Heym von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg widmet sich dem Thema „Die mittelalterliche Synagoge in Rufach (Elsass) – Neue Erkenntnisse der Bauforschung“ am Dienstag, dem 9. Juni 2026, um 18:30 Uhr in der Alten Synagoge Erfurt. In ihrem Gastvortrag berichtet sie über neue Forschungshighlights und gibt faszinierende Einblicke in das jüdische Leben des Mittelalters. Die Veranstaltung findet im Rahmen von „Arain! Der Erfurter Synagogenabend“ statt. Der Einlass erfolgt ab 18:00 Uhr. Der Eintritt ist wie immer frei.
Die beliebte Veranstaltungsreihe „Arain!“ des Netzwerks Jüdisches Leben Erfurt bietet einmal monatlich öffentliche (Gast-)Vorträge rund um jüdische Geschichte, das Jüdisch-Mittelalterliche UNESCO-Welterbe Erfurt, andere Welterbestätten und das globale Welterbe-Programm – prall gefüllt mit wissenswerten Hintergrundinformationen. Alle Themen und Termine sowie der aktuelle Programmflyer sind unter Arain! Der Erfurter Synagogenabend zu finden.
Details zum Vortrag
Die im 13. Jahrhundert erbaute ehemalige Synagoge von Rouffach im Elsass, zu Deutsch Rufach, ist eines der ältesten erhaltenen jüdischen Gebäude Europas und das einzige sicher erhaltene mittelalterliche jüdische Gebäude in Frankreich. Obwohl die jüdische Gemeinde im Mittelalter Gegenstand mehrerer Forschungen war, war die einzige Veröffentlichung über das Gebäude bis vor kurzem eine Studie von Charles Winkler aus dem Jahr 1906. Im Rahmen einer 2020 durchgeführten Studie konnten dank bauarchäologischer Methoden neue Erkenntnisse gewonnen werden. Diese Arbeit ermöglichte neue Überlegungen zur Architektur, zum Zugang zur Synagoge und zu ihrer Nutzung im Mittelalter und widerlegte teilweise die bisher vertretenen Thesen. Darüber hinaus konnte der Umbau des Gebäudes zu einem Wohnhaus mit einer teilweise erhaltenen Stube, einschließlich des Dachstuhls, durch dendrochronologische Analyse auf das 15. Jahrhundert datiert werden. Der Vortrag wird die neuen Erkenntnisse über den ursprünglichen Bau der Synagoge sowie über ihren Umbau zu einem Wohnhaus im Spätmittelalter vorstellen. Abschließend wird ein Einblick in die aktuelle Forschung zur Einbettung des Gebäudes in ein Judenviertel und in die Stadt Rufach gegeben.
Zur Person
Carla Heym, M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Sie studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Universität München sowie Denkmalpflege an der Universität Bamberg. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Bauforscherin und Bauingenieurin in Praxis und Forschung arbeitet sie seit 2024 im deutsch-französischen Forschungsprojekt „Rubiacum“ zur Stadtbaugeschichte von Rufach im Elsass. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Bauforschung, Stadtmorphologie sowie der jüdischen Architektur des Mittelalters.