Von Glossen zu Geschichten: Jiddische Sprachschätze in Erfurt
Ausstellung in der Kleinen Synagoge eröffnet am 20. Juli 2026
Das Wort „Jiddisch” bedeutet nichts anderes als „jüdisch”. Die 2025 erstmals in Trier gezeigte Sonderausstellung verdeutlicht die Vielfalt des frühen Jiddischen – einer jüdischen Komponentensprache aus deutschen Dialekten sowie hebräischen, romanischen und slawischen Elementen, die stets in hebräischen Buchstaben geschrieben wurde. Präsentiert werden vor allem westjiddische Zeugnisse wie Glossen, Briefe, Rechts- und Fachtexte, die die vielfältige Verwendung und breite Alltagstauglichkeit der Sprache vor dem Buchdruck eindrucksvoll dokumentieren.
Jiddisch ist zunächst eine von Juden und Jüdinnen im deutschen Sprachgebiet gesprochene und geschriebene Sprache. Sie bildete sich in ihren frühesten Phasen aus den verschiedenen deutschen Dialekten, die um hebräisch-aramäische und romanische, am Ende des Mittelalters im Osten dann auch slawische Elemente angereichert wurden. Diese Sprachen hatten einen großen Einfluss auf Vokabular und Struktur des Jiddischen, weshalb Jiddisch auch als Komponentensprache bezeichnet wird. Jiddisch wurde von Anfang an mit hebräischen Buchstaben verschriftlicht. Moderne jiddische Werke sind zumeist auf Ostjiddisch verfasst, während die hier vorgestellten Beispiele mehrheitlich (frühes) Westjiddisch dokumentieren. Die Ausstellung verfolgt das Ziel, die Vielfältigkeit des frühen Jiddisch von den Anfängen bis zum Buchdruck darzustellen. Dazu werden verschiedene Formen der Schriftlichkeit in jiddischer Sprache vorgestellt. Die gewählten Zeugnisse reichen von Glossen und Einwort-Belegen, Rechtstexten, Kurztexten über Briefe und narrative Texte bis hin zu wissenschaftlichen Abhandlungen. Diese verschiedenen Genres führen eindrücklich die vielfältige Verwendung der frühen jiddischen Sprache vor Augen.