Archäologische Grabungen auf dem Rathausparkplatz lassen tief blicken
Auf den Spuren der zweiten jüdischen Gemeinde Erfurts
Erste Mauern und Erdschichten sind hier bereits zu sehen und laden zum Entdecken ein. „Wir wollen wenn möglich auf die Gründungshorizonte der Gebäude kommen, um die eigentliche Baugeschichte so weit wie möglich festzustellen und zu dokumentieren“, sagt Dr. Christian Tannhäuser, Gebietsreferent für Mittelthüringen beim Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Bis etwa zweieinhalb Meter Tiefe soll gegraben werden. Beim Bau des Rathausparkplatzes in den 1990er Jahren war nur die notwendige obere Schicht abgetragen worden. Innerhalb kürzester Zeit entstand damals eine grobe Dokumentation, die nun wichtige Anhaltspunkte liefert.
Pünktlich zum Grabungsstart präsentiert sich vor Ort zudem das neue „Welterbe-Schaufenster“ – ein Container unmittelbar neben der Grabung. Hier können sich Interessierte ab sofort über den aktuellen Verlauf der Grabung und seiner Erkenntnisse informieren. Die Fortschritte der Archäologen können vom begehbaren Dach des Containers jederzeit live verfolgt werden.
„Aktuell können durch die großen Schaufenster des Containers Funde von der Grabung auf dem angrenzenden Grundstück nach der Zweiten Synagoge im angrenzenden Garten des Hauses zur Narrenschelle im Jahr 2011 bestaunt werden. Zukünftig wird die kleine Ausstellung weitere Informationen zu den laufenden Grabungen liefern“, so Dr. Karin Sczech, Beauftragte für das UNESCO-Welterbe. „Wir laden alle Interessierten herzlich dazu ein, den Grabungsverlauf vor Ort mitzuverfolgen und sich im Rahmen der begleitenden Informationsveranstaltungen, bspw. zu den Erfurter Denkmaltagen zu informieren“, so Sczech weiter.
Da der erste Grabungsabschnitt von etwa 100 Quadratmetern so gewählt wurde, dass ein Teil des mittelalterlichen jüdischen Tanzhauses freigelegt wird, trägt auch das Welterbe-Schaufenster den Namen „Tanzhayzl“, was in Jiddisch „kleines Tanzhaus“ bedeutet. Damals wurde dieses als Gemeindezentrum genutzt, in dem zu Hochzeiten und anderen Festen gefeiert wurde, aber auch weitere Veranstaltungen der jüdischen Gemeinde stattfanden.
Mit den Grabungsarbeiten, die voraussichtlich bis 18. September 2026 andauern, sollen die bisherigen Erkenntnisse zur Siedlung der zweiten jüdischen Gemeinde Erfurts, die sich von 1354 bis 1454 in diesem Bereich befand, vertiefen und präzisiert werden. Nach Abschluss der Arbeiten wird der Parkplatz wiederhergestellt.
Der Container steht auch nach der Grabung am Rand des Parkplatzes und informiert über neue Erkenntnisse aus der Grabung.
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Von links: Lars Bredemeier, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Kultur und Welterbe, Dr. Karin Sczech, UNESCO-Beauftragte der Stadt Erfurt, und Dr. Christian Tannhäuser, Gebietsreferent für Mittelthüringen beim Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Foto: © Stadtverwaltung Erfurt
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Kurz nach Grabungsbeginn sind bereits Mauern des ehemaligen Tanzhauses zu erkennen. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt
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Ein Container informiert in den kommenden Wochen über das Vorhaben und aktuelle Funde. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt