Vortrag und Finissage: „Es kann nicht jeder ein Gelehrter sein. Eine Kulturgeschichte der jiddischen Literatur. 1150-1597“

13.10.2023 18:00 – 13.10.2023 19:30

Finissage zur Ausstellung mit einem Vortrag von Susanne Klingenstein

Plakat
Grafik: © Kleine Synagoge
13.10.2023 19:30

Vortrag und Finissage: „Es kann nicht jeder ein Gelehrter sein. Eine Kulturgeschichte der jiddischen Literatur. 1150-1597“

Genre Veranstaltung
Veranstalter Kleine Synagoge
Veranstaltungsort Begegnungsstätte Kleine Synagoge, An der Stadtmünze 5, 99084 Erfurt
workTel. +49 361 655-1661+49 361 655-1661

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Vortrag zur Finissage: „Es kann nicht jeder ein Gelehrter sein. Eine Kulturgeschichte der jiddischen Literatur. 1150-1597“ von Susanne Klingenstein

Gelacht und gedacht, erzählt und erzogen wurde in jiddischer Sprache seit dem Hochmittelalter. Auf den letzten Blättern gelehrter Bücher finden wir Rezepte, Zaubersprüche und Gebete. Gereimte Epen kursierten in Abschriften zum geselligen Vortrag. Ein Konvolut von 1382 aus Kairo bezeugt, dass Juden mit deutscher Literatur bestens vertraut waren und sie witzig adaptierten.

Aus Geldnot begannen findige Unternehmer im frühen 16. Jahrhundert in Krakau, Augsburg und Venedig mit dem Druck jiddischer Bücher. Jetzt hatten auch Frauen und ungelehrte Männer Zugang zur Bibel und den Religionsvorschriften. Deutsche Reformatoren sahen in jiddischen Bibeln eine Gelegenheit zur Judenmission. Doch die Verbreitung jiddischer Bücher schürte nicht die Feuer des Aufbruchs, sondern stärkte den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Sie machte die Frauen unabhängiger und selbstbewusster, denn sie kannten nun die Gesetze. Und an langen Sabbatnachmittagen lasen sie von den Abenteuern jüdischer Helden.

Die renommierte Autorin Susanne Klingstein erzählt, unterstützt von viel Bildmaterial, die spannende Geschichte der frühen jiddischen Literatur. Dabei berührt sie auch Handschriften aus Erfurt und die Bedeutung der jüdischen Gemeinde Erfurts.

 

Zur Autorin

Susanne Klingenstein, geboren 1959 in Baden-Baden, ist Research Fellow am Zentrum für Jüdische Studien an der Harvard University. Sie veröffentlichte Studien zur Identitätsbildung jüdischer Literaturwissenschaftler, übersetzte bedeutende Erzählungen aus dem Jiddischen, schrieb ein Buch über Martin Walser und zuletzt die Studie Mendele der Buchhändler. Leben und Werk des Sholem Yankev Abramovitsh. Eine Geschichte der jiddischen Literatur zwischen Berdichev und Odessa, 1835-1917.