Erfurter Schatz

Im Keller der Alten Synagoge wird der sogenannte Erfurter Schatz ausgestellt, der höchstwahrscheinlich während des Pogroms von 1349 vergraben wurde – ein in Umfang und Zusammensetzung einmaliger Fund. Er wurde 1998 kurz vor dem Abschluss archäologischer Untersuchungen auf dem Grundstück Michaelisstraße 43 unweit der Alten Synagoge unter der Mauer eines Kellerzugangs entdeckt.

Gesamtansicht des Erfurter Schatzes: Münzen, Silberbarren, Geschirr wie Becher und eine Kanne sowie Schmuckstücke: Ringe, Broschen, Gewandbesatz etc.
Foto: Erfurter Schatz: Gesamtansicht Foto: © TLDA

Der Schatz hat ein Gesamtgewicht von fast 30 Kilogramm. Mit etwa 24 Kilogramm machen 3.141 Silbermünzen sowie 14 silberne Barren verschiedener Größen und Gewichte quantitativ den größten Anteil aus. Außerdem enthielt der Fund mehr als 700 Einzelstücke gotischer Goldschmiedekunst in teilweise exzellenter Ausführung.

Dabei handelt es sich um ein Ensemble an Silbergeschirr, bestehend aus einem Satz von acht Bechern, einer Kanne, einer Trinkschale sowie einem Doppelkopf. An Schmuckstücken sind besonders acht Broschen verschiedener Größe und Form mit zum Teil üppigem Steinbesatz hervorzuheben sowie acht Ringe aus Gold und Silber. Kleinere Objekte wie Gürtelteile und Gewandbesatz machen den zahlenmäßig größten Anteil der Goldschmiedearbeiten aus. Alle Objekte können in das ausgehende 13. sowie die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert werden.

Das bedeutendste Objekt im Schatz ist ein jüdischer Hochzeitsring aus dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Er besticht vor allem durch die herausragende handwerkliche Qualität, in der die gotische Miniaturarchitektur aus reinem Gold gearbeitet ist.

Im Vergleich mit anderen Arbeiten der Goldschmiedekunst und vergleichbarer Handwerkszweige sowie unter Einbeziehung zeitgenössischer Abbildungen können die Goldschmiedearbeiten im Erfurter Schatz ins ausgehende 13. Jahrhundert und die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert werden.

Obgleich die Gotik eine besonders schmuckfreudige Epoche war, in der Männer und Frauen ihren Wohlstand gerne mit zahlreichen Schmuckstücken zeigten, und auch Silbergeschirr keine Seltenheit war, haben sich profane Goldschmiedearbeiten kaum erhalten. Man beurteilte sie vor allem nach dem Materialwert, sie stellten neben ihrer eigentlichen Funktion auch eine Wertanlage dar. Daher wurden sie bei Bedarf versetzt, verkauft oder eingeschmolzen. Zusätzlich führten schnell wechselnde Moden dazu, dass „altmodische” Gegenstände zu neuen, moderneren Schmuckstücken umgearbeitet wurden.

Entsprechend einmalig ist der Erfurter Schatzfund, der bereits in Paris, New York und London ausgestellt war und seit 2009 dauerhaft in der Alten Synagoge zu sehen ist.

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