Mittelalterliche Mikwe zu Erfurt

Reste Mauerwerk von Mikwe, umgeben von bronzefarbenen Schutzbau
Foto: © Peter Seidel

Das Ritualbad ist neben Synagoge und Friedhof ein wichtiger Bestandteil der jüdischen Gemeinde. Vor allem Frauen nutzen es, weshalb es häufig »Frauenbad« genannt wird. Es diente zur kultischen Reinigung nach Berührungen mit Toten, mit Blut oder anderem, in religiösem Sinne, Unreinen.

Die Mikwe im Jüdischen Quartier

Karte des mittelalterlichen jüdischen Quartiers mit Alter Synagoge und mittelalterlicher Mikwe zwischen Rathaus, dem Fluss Gera und der Michaeliskirche.
Karte: Auf dem Quartiersplan sieht man Synagoge, den Vergrabungsort des Erfurter Schatzes und die Lage der Mikwe direkt an der Gera. Namen jüdischer Bewohner sind grün, die von Christen schwarz geschrieben. Deutlich wird die durch Besitzernachweise belegte dichte Bebauung des Umfeldes. Karte: © Stadtverwaltung Erfurt

Frauen tauchen nach der Menstruation und nach Geburten im Bad unter, bevor sie das Bett mit ihren Ehemännern teilen. Die körperliche Reinigung erfolgt zuvor. Gläubige Juden und Jüdinnen reinigen („kaschern“) auch Geschirr vor der ersten Benutzung.

Eine Mikwe wird mit „lebendigem“, also fließendem Wasser gespeist. Dieses war hier durch die Nähe zur Gera ausreichend vorhanden. Noch heute funktioniert die Wasserversorgung im Becken. Der Wasserstand ist jedoch, wahrscheinlich aufgrund der Anlage des Flutgrabens Ende des 19. Jahrhunderts und dem damit abgesunkenen Wasserstand in der Innenstadt, viel niedriger als im Mittelalter.

Schriftquellen zur Mikwe reichen zurück bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts. Sie belegen, dass die jüdische Gemeinde für das Bad und für das Grundstück Abgaben zahlen musste, zunächst an den Bischof, später an die Stadt Erfurt. Aus den mittelalterlichen Steuerlisten erfahren wir, dass die Umgebung der Mikwe dicht bewohnt war. Wie überall im jüdischen Quartier lebten auch hier nachweislich Juden und Christen Tür an Tür.