Dauerausstellung Alte Synagoge

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Erdgeschoss

Goldener, reich verzierter Ring

Im Erdgeschoss wird die Bau- und Nutzungsgeschichte der Alten Synagoge thematisiert. Den Mittelpunkt bildet das Gebäude selbst, es ist sozusagen das wichtigste Exponat. Die Bau- und Nutzungsgeschichte der Synagoge thematisiert gleichzeitig die Entwicklung der jüdischen Gemeinde Erfurts.

Im Erdgeschoss des Museums liegt das Augenmerk auf der ursprünglichen Ausstattung des Synagogenraums: Ein umlaufendes Lichtergesims ist noch sichtbar und wurde zum Teil nachgebildet. Anhand von Spolien kann die Bima, das Lesepult, rekonstruiert werden. Eine Projektion zeigt das Aussehen des Toraschreins, der wahrscheinlich während der Profanierung der Synagoge zum Lagerhaus zerstört wurde. Eine Glaswand deutet die Unterteilung des Raums in den Männer- und Frauen-Betsaal an.

Drei Modelle veranschaulichen die Bauphasen der Synagoge. Anhand zweier Pläne des Quartiers werden die Situation im Umfeld der Synagoge vor dem Pogrom von 1349 sowie die Veränderungen nach dieser Zäsur dokumentiert.

Der unter Erzbischof Konrad I. im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts entstandene "Erfurter Judeneid" gilt als der älteste erhaltene Judeneid in deutscher Sprache.

Keller

Im Keller des Museums wird der sogenannte Erfurter Schatz ausgestellt, der höchstwahrscheinlich während des Pogroms von 1349 vergraben wurde - ein in Umfang und Zusammensetzung einmaliger Fund. Dieser Schatz wurde 1998 nach archäologischen Untersuchungen in unmittelbarer Nachbarschaft der Synagoge auf dem Grundstück Michaelisstraße 43/44 entdeckt. Er war unter der Mauer eines Kellerzugangs eingegraben.

Der Schatz hat ein Gesamtgewicht von etwa 28 Kilogramm. Den quantitativ größten Anteil daran haben 3141 Silbermünzen sowie 14 silberne Barren verschiedener Größen und Gewichte. Zwangsläufig überwiegt das Silber, weil dieses Metall (ob nun als Münze oder Barren) im kaufmännischen Bereich das wichtigste Zahlungsmittel, das eigentliche Geld des Mittelalters darstellte.

Außerdem enthielt der Fund mehr als 700 Einzelstücke gotischer Goldschmiedekunst in teilweise exzellenter Ausführung. Das herausragende Stück bildet ein goldener jüdischer Hochzeitsring aus dem frühen 14. Jahrhundert, der als Einzelstück von einer Vitrine in der Mitte des Ausstellungsraums beherbergt wird.

Darüber hinaus wurde als Teil des Schatzfundes ein Ensemble an Silbergeschirr, das sich aus einem Satz von acht Bechern, einer Kanne, einer Trinkschale sowie einem Doppelkopf zusammensetzt, überliefert.

An Schmuckstücken sind besonders acht Broschen verschiedener Größe und Form mit zum Teil üppigem Steinbesatz hervorzuheben sowie weitere sieben Ringe aus Gold und Silber. Gürtelteile und Gewandbesatz machen den zahlenmäßig größten Anteil der Goldschmiedearbeiten aus.

Obergeschoss

Im Obergeschoss sind mittelalterliche Handschriften als Faksimile zu sehen, die das rege Geistesleben der Erfurter Gemeinde belegen.

Die Staatsbibliothek zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist Eigentümerin eines Konvoluts hebräischer Handschriften, das aus Erfurt stammt und im 13. und 14. Jahrhundert entstand. Nach 1349 gelangten die Handschriften in Besitz des Stadtrats, später wurden sie im Augustinerkloster aufbewahrt. Von dort wurden sie 1880 an die Königliche Bibliothek zu Berlin verkauft. Darunter befindet sich eine Reihe herausragender Handschriften: Die größte bekannte mittelalterliche Tora stammt aus Erfurt. Die "Bibel Erfurt 1" besteht aus zwei jeweils 50 Kilogramm schweren Bänden und nimmt für sich in Anspruch, die größte hebräische Pergament-Bibelhandschrift zu sein. Der Bucheinband des zweiten Bandes dieser Bibel kann sogar im Original in der Ausstellung bestaunt werden.