Fundstücke des Erfurter Schatzes

Der Erfurter Schatz hat ein Gesamtgewicht von etwa 28 Kilogramm. Den quantitativ größten Anteil daran haben 3141 Silbermünzen sowie 14 silberne Barren verschiedener Größen und Gewichte. Außerdem enthielt der Fund mehr als 700 Einzelstücke gotischer Goldschmiedekunst in teilweise exzellenter Ausführung. Das herausragende Stück bildet ein goldener jüdischer Hochzeitsring aus dem frühen 14. Jahrhundert.

Reich verzierter, goldener Ring.
Foto: Der jüdische Hochzeitsring ist das wichtigste Stück des Erfurter Schatzfundes und unterstützt dessen Zuordnung zu einem jüdischen Eigentümer.

Der Erfurter Schatz enthält insgesamt acht Fingerringe in unterschiedlichster Ausführung, zumeist aus Gold: Die Varianten reichen von einfachen, zarten Damenringen mit Steinen über einen massiven Saphirring bis hin zu dem aufwendigen und prachtvollen jüdischen Hochzeitsring. Durch seine hebräische Inschrift "masel tow" (Viel Glück) und einem Miniaturgebäude kann der Ring als jüdischer Hochzeitsring angesprochen werden. Da heutzutage weltweit nur vier jüdische Hochzeitsringe erhalten sind, ist dieser Hochzeitsring zweifellos das wichtigste Fundstück des Erfurter Schatzes.

Münze aus Silber, sogeannte Turnose
Foto: Erfurter Schatz (TLDA), Silbermünze Turnose Foto: © Papenfuss | Atelier für Gestaltung

Die prächtigsten Schmuckstücke im Erfurter Schatz sind ohne Zweifel die acht Broschen und Schmuckscheiben, die ausnahmslos mit farbigen Steinen besetzt sind: Drei Stücke davon zeichnen sich durch kleine Tierfigürchen aus, zwei Schmuckstücke gehören den geläufigen Ringbroschen an. Eine weitere Brosche zeigt Pfeil und Bogen. Der Erfurter Fund enthält zudem zahlreiche Gürtelteile.

Der Erfurter Schatzfund ist ebenfalls vom numismatischen Gesichtspunkt außergewöhnlich, weil er ausschließlich eine der ersten Münzsorten, die im mittelalterlichen Europa überregionale Verwendung fanden, umfasst: Der Fund enthält 3141 Turnosen. Es handelt sich zum großen Teil um französische Königsturnosen oder deren detailgetreue Nachahmungen, die die Namen der französischen Könige in der Umschrift führen. Im Erfurter Schatz bilden die Turnosen der Könige Ludwig IX., Philipp III., Philipp IV. und Philipp V. den größten Anteil.

Darüber hinaus umfasst der Fund 14 Silberbarren, die auch als Gusskönige bezeichnet werden. Außer einer Ausnahme wurde jedes Exemplar mit einem Stempel versehen, um die Reinheit des Silbers zu garantieren. Durch die Stempelmotive stammen die Stücke mit einfacher Rad-Darstellung mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Erfurt; auf zwei Barren wird auch ein Erfurter Bürger genannt – Johannes Nase.

Zu dem Erfurter Schatz gehört zudem ein Ensemble an Silbergeschirr, das aus acht Bechern, die einen Satz bilden, einer Kanne, einer Schale und einem Doppelkopf besteht. Gebrauchsspuren belegen, dass diese Gefäße von ihren ehemaligen Besitzern benutzt wurden.