Geschichte des Erfurter Schatzes

Im Keller der Alten Synagoge wird der sogenannte Erfurter Schatz ausgestellt. Diesen fanden Archäologen 1998 bei Bauarbeiten in der Michaelisstraße 43/44, unweit der Synagoge. Offensichtlich hatte ein jüdischer Kaufmann den Schatz während des Pogroms von 1349 vergraben.

Rundes Gewölbe mit mächten Steinpfeilern. Hinterleuchtet Vitrinen an den Wänden
Foto: Der Erfurter Schatz wird im Keller des Museums Alte Synagoge ausgestellt. Foto: © Papenfuss - Atelier für Gestaltung

Diese Ausschreitung gegen die Erfurter Juden steht im Zusammenhang mit der Welle an Judenverfolgungen, die sich mit der Pest von Südeuropa aus nach Norden und Westen verbreitete. Es ist davon auszugehen, dass auch der Eigentümer des Erfurter Schatzes mit seiner gesamten Familie unter den Toten der Verfolgung in Erfurt war, denn die verborgenen Wertsachen wurden nicht wieder gehoben.

Durch die Analyse der Fundsituation können die Verbergungsumstände rekonstruiert werden. Der Eigentümer konnte den Schatz nur unter Zeitdruck am Zugang zum Keller seines Hinterhauses vergraben: So nutzte er beispielsweise kostbare Silbergefäße als Behälter für kleinere Schmuckstücke. Die Aufbewahrung war außerdem nicht für eine lange Dauer geplant: Wahrscheinlich waren die Gegenstände lediglich in ein Tuch gewickelt. Gebrauchsspuren an den Objekten verraten, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dem Gebrauch genommen, also von der Kleidung getrennt, aus der Schmuckschatulle, der Truhe oder dem Schrank geholt und im Keller vergraben wurden. Dies alles lässt eine akute Bedrohung - wie während des Pogroms - vermuten.

Dies unterstreicht die Identifikation des Schatz-Eigentümers als Jude. Zudem befindet sich im Schatz ein Hochzeitsring mit einer hebräischen Inschrift. Der Fundort des Schatzes liegt in dem Quartier, in dem im mittelalterlichen Erfurt vornehmlich Juden wohnten.