Welche (besondere) Bedeutung transportieren die Erfurter mikrographischen Bibeln

06.05.2015 19:30 – 06.05.2015 20:30

Rahel Fronda, University of Oxford, Bodleian Libraries

Mikrografie aus der Bibel Erfurt 1, MS. O r. Fol. 1211, fol. 147a. Aus winzigen Buchstaben geformte Tiere und Fabelwesen auf einer Seite der Bibelhandschrift.
Mikrographie aus der Bibel Erfurt 1, MS. O r. Fol. 1211, fol. 147a Bild: © Staatsbibliothek Berlin
06.05.2015 20:30

Vortragsreihe "Arain!": Welche (besondere) Bedeutung transportieren die Erfurter mikrographischen Bibeln?

Genre Veranstaltung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Unesco-Beauftragte in Kooperation mit der Stadt- und Regionalbibliothek
Veranstaltungsort Stadt- und Regionalbibliothek, Domplatz 1, 99084 Erfurt

Die Mikrographie ist eine alte jüdische Kunstform. Winzige Buchstaben formen Ornamente, aber auch Tiere, Fabelwesen oder sogar Menschen. Der Begriff  Mikrographie kommt von den griechischen Wörtern μικρός (mikros) und γράφειν (graphein) und bedeutet »kleine Schrift«.

Da diese Texte zumeist textkritische Kommentare zum Bibeltext sind, wird diese Art des Schreibens auch "Masorah figurata" genannt. Das hebräische Wort מסורה (Masorah) bezeichnet die Traditionen, die mit dem Schreiben des biblischen Textes verbunden sind und das Ziel der akkuraten Überlieferung des heiligen Textes haben, seiner korrekten Vokalisierung, Punktierung, Rechtschreibung und grammatischen Form.

Der Vortrag stellte aschkenasische Bibelhandschriften des späten 13. und frühen 14. Jahrhunderts mit mikrographischen Verzierungen vor, die mit Erfurt in Verbindung gebracht werden können. Ähnlichkeiten und Unterschiede wurden aufgezeigt und mögliche Bedeutungen ihrer aufwendigen mikrographischen Verzierungen diskutiert.

Der Vortrag ist englischsprachig und wird übersetzt.

Moderiert wird der Abend von PD Dr. Peter Stein, Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt.

Zur Person

Rahel Fronda ist stellvertretende Kuratorin für Hebraica und Judaica an der Bodleian Library in Oxford. Zu ihrer Berufserfahrung gehört zusätzlich die Arbeit mit seltener Anglo-Jüdischer Materie, insbesondere der Moses Montefiore Sammlung, die Katalogisierung der Renaissance-Bibliotheken von Richard Kilby und Thomas Marshall am Lincoln College in Oxford sowie das Übersetzen von Kurzgeschichten aus dem Hebräischen.

Zur Zeit promoviert sie über Mikrographien in aschkenasischen Bibelhandschriften. Sie studierte Jüdische Studien, mit dem Schwerpunkt auf der hebräischen Bibel und der Theologie des Alten Testaments und beherrscht Hebräisch, Aramäisch, Latein, Altgriechisch, Deutsch, Französisch, Russisch und Schwedisch. Ihre wichtigsten Forschungsinteressen sind hebräische Mikrographie und illuminierte mittelalterliche hebräische Handschriften, sowie mittelalterliche jüdische Geschichte, Handschriftenkunde, Paläographie und Frühdrucke hebräischer Bücher.